Detoxing: Wir essen uns frei!

Porridge mit Erdbeeren, Eistee und gelbe Kiwi

Wer sich jetzt an einen alten „Hollywood-Trend“ von Madonna, Gwyneth und Co. erinnert, der liegt schonmal nicht falsch. Aber gehen wir einen Schritt weiter, denn Detoxing bedeutet entgiften bzw. den Körper von innen heraus reinigen. Jeden Tag nehmen wir dabei mal kleine und mal große Gifte zu uns: ungesundes Essen, zu viel Stress und zu viel berufliche Belastung. Demgegenüber steht zu wenig Erholung, zu wenig Bewegung, zu wenig gesundes Obst und Gemüse. Ein großes ZUVIEL also an Ballast und viel zu wenig von dem was den Körper unterstützt. Zusätzlich strömen in unserer Umwelt viele Gifte umher: Abgase, UV-Strahlen, Elektrosmog, Konservierungsstoffe, Geschmacksverstärker und und und.
Dieses Ungleichgewicht zwischen zu viel und zu wenig  ist das Gift, welches sich langfristig auf unseren Körper auswirkt. Auf Dauer macht das krank. Denn durch all diese Gifte bleiben Rückstände bzw. es entsteht regelrechter Müll im Körper. Zwar kann der menschliche Organismus in bestimmten Mengen Rückstände selbst beseitigen, aber je größer der Müllberg, umso mehr Energie wird für die Müllbeseitigung benötigt. Energie die eigentlich für andere Körperfunktionen eingesetzt werden kann.
Aber wie entzieht man sich den ganzen Giften? Müssen wir jetzt noch eine einsame Insel unter einer Glaskuppel finden? Detoxing Island? Auch keine schöne Vorstellung. Deshalb konzentrieren wir uns mal genauer mit der Entgiftung als eine wunderbare Möglichkeit den Körper und sein Immunsystem zum einen bestmöglich zu unterstützen und zum anderen so wenig Belastung wie möglich auszusetzen. Das Ziel dabei ist nicht nur sich vom ganzen Unrat zu befreien, sondern auch Prävention. Sich vor Krankheiten zu schützen und den Körper langfristig gesund zu halten, dafür steht Detoxing.

Haufen Aprikosen und PlattpfirsicheWann macht Essen sauer?

Eine der wichtigsten Aufgaben der Ernährung ist es das Gleichgewicht von Säuren und Basen im Körper aufrecht zu halten. Denn Nahrungsmittel hinterlassen entweder saure oder basische Rückstände im Blutkreislauf, je nachdem ob der Anteil an säuren- oder basenbildenden Mineralstoffen hoch ist. Hierbei orientiert man sich am pH-Wert des Blutes (allgemein gibt ein pH-Wert die Wasserstoffionenkonzentration in einer Flüssigkeit an). Der Wertebereich des pH-Wertes verläuft zwischen 0 für eine saure Lösung und 14 für eine basische Lösung. Ein neutraler pH-Wert liegt damit bei 7. Je höher der also der Wert, desto stärker basisch ist eine Flüssigkeit.
Um gesund zu bleiben, sollte der Wert auch um den neutralen Wert schwanken. Bei einer Ernährung mit einem hohen Anteil an basenbildenden Lebensmitteln, gelingt es dem Körper sich nah am Idealwert zu halten. Wenn aber überwiegend säurebildende Lebensmittel konsumiert werden, sorgt der Körper selbst dafür, dass der pH-Wert im Blut nicht zu stark absinkt. Dem Körpergewebe, den  Organen und Zellen werden basische Mineralstoffe entzogen, um den Säureüberschuss zu kompensieren. Beispielsweise ist Kalzium ein basischer Mineralstoff, der für kräftige und stabile Knochen sorgen. Bei einer stark säurebildenden Ernährung greift der Körper auf Kalziumreserven in den Knochen zurück, um einen Ausgleich zu schaffen. Kein schöner Gedanke, wenn auch die Reserven knapp sind.
Ist saures Essen gleich schlechtes Essen? Nicht alle Nahrungsmittel, die die Säureproduktion im Körper vorantreiben sind automatisch Bösewichte. Ihre Wirkung kann auf ganz natürliche Weise, nämlich durch basische Lebensmittel gedämpft werden. Besonders tierische Produkte gehören zu den Lebensmitteln, die die Säurebildung fördern. Ein interessantes Beispiel ist Vollmilch. Die Milch an sich besitzt einen basischen pH-Wert und ist allgemein kein ungesundes Lebensmittel, jedoch verbleibt nach dem Verdauungsprozess eine saure Verbindung. Was man isst und vor allem welcher Effekt im Körper ausgelöst wird, darauf wird bei der Entgiftung des Körpers wertgelegt.

Der 80/20-Teller

Die wichtigen Nährstoffe aus dem was wir essen optimal zu nutzen, das ist der Schlüssel zum Detoxing. Ein Lebensmittel kann vor Vitaminen, Mineralien und anderen wichtigen Elemente nur so strotzen, wenn der Körper dieses Lebensmittel nicht gründlich und leicht verdauen kann, werden Nährstoffe nicht richtig aufgespalten und bleiben ungenutzt. Wollen wir uns also vom ganzen Müll befreien ist es schon hilfreich zu wissen, wie was verdaut wird. Denn einige Lebensmittel benötigen mehr säurehaltige, andere mehr basische Verdauungssäfte. Das richtige Verhältnis von sauer und basisch spielt hierbei die entscheidende Rolle. Um das zu erreichen sollte man Lebensmittel kombinieren, die auch gut miteinander harmonieren. Wichtig ist die Ernährung auf überwiegend basisch wirkende Lebensmittel auszurichten, genauer gesagt 80 Prozent. Die restlichen 20 Prozent können säurefördernde Lebensmittel ausmachen.
Weißmehlprodukte (Brötchen oder Nudeln), fettes Fleisch, Zucker, Kaffee und Alkohol sind Beispiele für Lebensmittel die die Säurebildung im Blut fördern. Frisches reifes Obst und Gemüse hingegen sind die einzigen Lebensmittel die nur basische Rückstande im Körper hinterlassen. Ausnahmen sind stärkehaltiges Gemüse wie z. B. Kartoffeln, diese zählen wiederum zu den sauren Lebensmitteln.
Ja, es sieht alles erstmal nach viel Denkarbeit aus. Deshalb sollen die folgenden Schritte dabei helfen, die Umsetzung von Detoxing besser zu verstehen:

 

  1. Mineralwasser mit FrüchtenAuf konzentrierte, wasserarme Lebensmittel achten, denn diese enthalten wenig oder gar kein Wasser. Dies trifft für stärkehaltige Lebensmittel, wie Getreide, Brot oder Kartoffeln wie auch eiweißhaltige Lebensmittel (Fisch, Huhn, Fleisch, Samen, Nüsse u.v.m.) zu. Nicht-konzentrierte Lebensmittel besitzen einen hohen Wasseranteil, dazu zählen reifes Obst und stärkeloses Gemüse. Unser Körper verdaut nicht-konzentrierte Lebensmittel leichter als konzentrierte. Für die optimale Verdauung ist es daher ratsam nur eine Sorte Fleisch oder Getreide pro Mahlzeit zu essen und mit viel Obst und Gemüse zu kombinieren.
  2. Eiweiß und Stärke sind kein gutes Paar: Auf der einen Seite benötigen Eiweiße ein saures Millieu, dem gegenüber ist für die Aufspaltung von Stärke ein basisches Millieu erforderlich. Diese beiden gegensätzlichen Milieus neutralisieren sich gegenseitig, was den Körper schwer verdauen lässt. Denn es erfordert ziemliche Energie etwas zu verarbeiten, das sich ständig neutralisiert. Dies zeigt sich in der typischen Müdigkeit nach einem schweren Essen. Nun gibt es aber viele vertraute Eiweiß-Stärke Kombinationen wie Bagels mit Frischkäse, Sushi, Schweinefilet mit Kartoffelgratin oder asiatisches Hühnchen auf Reisnudeln – nach dem Detoxing-Prinzip alles nicht harmonierende Mahlzeiten. Wobei nicht harmonierend nicht gleichzusetzen ist mit unverdaulich. Unser Körper kommt mit Eiweiß-Stärke Mahlzeiten schon zurecht. Aber erst wenn Eiweiß und Stärke nicht gleichzeitig gegessen werden, kann sich der Körper die Nährstoffe optimal aus dem Essen ziehen, d.h. die Nährstoffausbeute ist wesentlich höher als bei Eiweiß-Stärke – Kombinationen. Was auch bedeutet dass kein Energiedefizit (Müdigkeit) nach dem Essen entsteht. So steht dem Körper mehr Energie für andere Funktionen zur Verfügung. Solange man es nicht übertreibt sind „Falsche Kombinationen“ aber völlig in Ordnung. Machen wir uns klar, dass es nicht um Perfektion geht, sondern die Ernährung auf ein ausgeglichenes Level zu bringen. Daher ist gegen einen Frischkäse-Bagel nichts einzuwenden, wenn man für Ausgleich sorgt.
  3. Gemüse ist ein verlässlicher Partner: Tomaten, Gurken und Co. sind wertvolle basische und nicht-konzentrierte Lebensmittel, die leicht verdaulich und zudem pH-neutral sind. Mit Gemüse zu kombinieren, ob in gedünstet oder als Rohkostsalat, lässt sich nicht viel falsch machen. Gegrilltes Hühnchen mit Schmorgemüse oder wenn es mal stärkehaltiger sein soll, harmoniert gebackene Süßkartoffel mit einem Salat sehr gut.
  4. Zwei stärkehaltige Lebensmittel sind gute Kumpanen: einfache Mahlzeiten sind die besten. Stärkehaltige Lebensmittel sind leichter zu verdauen als Eiweiß, daher können Mahlzeiten mit zwei stärkehaltigen Lebensmitteln gut und gerne kombiniert werden.
  5. Keine tierischen Eiweiße mischen: Eiweiß bzw. die darin enthaltenen Proteine sind für den Körper sehr aufwendig zu verwerten. Komplexen Aminosäuren müssen in einzelne Bausteine zerlegt werden, was dem Körper viel Energie abverlangt. Daher sollte pro Mahlzeit nur eine Sorte an Eiweiß gegessen werden. Bei unterschiedlichen Eiweißsorten kann der Körper nicht mehr effizient verdauen und die wichtigen Bausteine verwerten.

Die beste Zeit für Detoxing ist jetzt! Der Sommer befreit uns von dicken Mänteln, Gummistiefeln und tristem Wetter. Warum dann auch nicht den schweren Ballast aus unserer Ernährung streichen? Es ist kein einfacher Schritt seine Ernährung und vor allem Verdauung im Kopf zu behalten. Kleine Sünden kann der Körper aber gerade durch Detoxing wunderbar ausbalancieren. Und um diesen Ausgleich geht es ja. Jeden Tag ein bisschen.

 

Quellen: Detox your Life von Dr. Christian Matthai, 2011, Kneipp-Verlag. Der Beauty Detox Plan von Kimberly Snyder, 2013 Südwest Verlag

 

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