Bulls only: Französisches Markenfleisch von Chateau Boeuf

Chateau Boeuf Jungbullenfleisch Frankreich

Supermarkt-Fleisch ist ein Thema worüber wir eigentlich ungern schreiben möchten. Ob abgepackt oder auch an der Theke, am Image von Supermarktfleisch haftet immer etwas Negatives. Denn oft stammt das Fleisch aus Massentierhaltung und besitzt eine minderwertige Qualität. Umso interessanter ist es aber, wenn ein Unternehmen uns vom Gegenteil überzeugen möchte. Vor einiger Zeit erreichte uns eine Einladung von der R&S Vertriebsgesellschaft.Das Essener Unternehmen vertreibt unter der Marke Chateau Boeuf französisches Jungbullenfleisch in deutschen REWE-Märkten. Wir zwei durften mit anderen lieben Blogger in Le Mans, Frankreich das neue Markenfleisch Chateau Boeuf und die Produktion näher kennen lernen. Was genau hinter der Marke steckt, ob das Fleisch überhaupt schmeckt und was bei regionalem Fleisch zu beachten ist, darüber reden wir mal heute.

Markenfleisch Chateau Boeuf

Von der Weide bis in den Supermarkt verspricht Chateau Boeuf nachhaltige Top-Qualität im Bereich Jungbullenfleisch. Das möchte die Marke auch symbolisch vermitteln. Das Logo besteht aus einem Bullenkopf eingefärbt in der französischen Tricolore. Fünf goldene Sterne und ein Schloss, sollen das gehobene französische Niveau transportieren. Soweit zum Markenauftritt, aber wie sieht es mit der Philosophie aus? Wir fassen mal zusammen:

  • Alle Fleischteilstücke stammen zu 100 Prozent aus Frankreich. Garantierte und lückenlose Rückverfolgbarkeit von Geburt, Aufzucht, Schlachtung und Produktion gemäß den Vorschriften des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft.
  • 100 Prozent pflanzliche, vitaminhaltige und mineralstoffreiche Ernährung der Jungbullen
  • Es werden keine Milchrassen verwendet, sondern nur Fleisch- und Zweinutzungsrassen, wie Limousin, Charolais oder Blonde d’Aquitaine.
  • Regelmäßige und unabhängige Kontrollen werden in den Zuchthöfen, Schlachtbetrieben und Supermärkten durchgeführt. Sogar die Mitarbeiter in den Supermärkten sollen geschult werden, um dem Kunden alle Fragen über die Fleischqualität und Herkunft beantworten zu können.
  • Fleischteilstücke die speziell zum Braten oder für Barbecues angeboten werden, besitzen eine garantierte Reifedauer.

Chateau Boeuf Zuchtbetrieb

Bauernhöfe wie aus dem Bilderbuch?

Die Auswahl der Lieferanten soll nach strengen Vorgaben erfolgen. Nur familiengeführte Bauerhöfe und kleine Erzeugergemeinschaften kommen in Frage, die eine artgerechte Aufzucht, natürliche Haltungsbedingungen und einen Transportwerg von unter drei Stunden zum Schlachtbetrieb, umsetzen können. Wir durften in Le Mans zwei Bauernhöfe  besuchen und uns einen Eindruck über Aufzucht, Haltung und Futtermittel machen. In den Ställen werden grundsätzlich fünf bis sechs Tiere in ca. 40m² großen und offenen Stallboxen gehalten. Damit besitzt jedes Tier eine Fläche von 6 bis 8m². Das ist vergleichsweise viel, denn bei Massentierhaltungen sind es oft weniger als 3m² pro Tier. Mehr Fläche wäre natürlich noch schöner, denn auch bei einer Fläche von 8 m² lässt es sich nicht vermeiden, das die Rinder mal im eigenen Dreck liegen. Der Großteil der Tiere hatte jedoch sauberes Fell und zeigte kein gestresstes Verhalten. Jedes Tier besitzt eine Ohrmarke und einen Tierpass, um sie dem jeweiligen Geburtsbetrieb zuordnen zu können. Nach der Geburt werden die Kälber nicht von ihren Müttern getrennt, sondern zusammen auf der Weide gehalten. Nach etwa einem Jahr kommen sie in offene Laufställe und werden gemästet. Im Alter von 18 bis 24 Monate werden die Tiere dann geschlachtet.Was das Futter betrifft, waren wir überrascht, dass ein Bauer sogar selbst Maisfutter für seine Herde produziert und an umliegende Bauernhöfe verkauft.

Chateau Boeuf Markenfleisch

Schlachtbetrieb Socopa

Für die Marke Chateau Boeuf arbeitet die R&S Vertriebsgesellschaft mit örtlichen Schlacht- und Zerlege-Betriebe zusammen. Um den gesamten Prozess der Fleischproduktion kennen zu lernen, war ein Programmpunkt der Reise auch der Besuch einer französischen Produktionsfirma. In Le Mans öffnete dafür die Firma Socopa ihre Türen und gewährte uns einen Blick hinter die Kulissen. Socopa gehört zu einem der größten Schlacht- und Zerlege-Betriebe in Frankreich. Von der Tötung der Tiere bis hin zur Verpackung der einzelnen Fleischteilstücke, findet der gesamte Ablauf in einem einzigen Betrieb statt. Jeder in der Blogger-Gruppe verspürte die ernstere Stimmung. Es ist eben nicht alles Bauernhofromantik. Jeder Steak-Liebhaber weiß, dass Fleisch nicht auf Bäumen wächst. Dennoch ist es schon was anderes, wenn einem die Realität vor Augen geführt wird.

Vor dem Bolzenschuss werden die maximalen Ruhezeiten von mindestens acht Stunden eingehalten. Tötung und Ausbluten der Tiere durfte nicht gezeigt werden und auch das Ausnehmen in der Produktionshalle durfte von uns nicht bildlich festgehalten werden. Dennoch bleiben die Eindrücke im Kopf. Leblose Rinderkörper werden Kopfunter aufgehängt, aufgeschlitzt und gehäutet. Danach werden Kopf, Innereien und Hufen entfernt. Anschließend werden die Körper durch einen Längsschnitt halbiert. Die Rinderhälften sind damit präpariert für die weitere Zerlegung in einzelne Teilstücke. Natürlich ist es kein Anblick bei dem einem das Wasser im Mund zusammen läuft, vor allem wenn man vorher lebende und gelassene Rinder auf der Weide gesehen hat. Aber wenn Firmen kein Geheimnis daraus machen, ist das nur richtig. Keines der aufgehängten Tiere hat noch Lebenszeichen von sich gegeben und auch die hygienischen Bedingungen haben einen guten Eindruck gemacht. Überraschend war auch, dass die Zerlegung zum größten Teil in Handarbeit erfolgt. Lange Fließbänder haben wir bei Socopa eher weniger gesehen.

Socopa Schlachtbetrieb

In den zwei Tagen unserer Reise haben wir einen guten Einblick bekommen, wie eine Vertriebsfirma für Fleisch arbeitet und wie Abläufe funktionieren. Vorbildliche Zuchtbetriebe, denen das Tierwohl sehr wichtig ist und daneben ein Schlachtbetrieb mit toten Rindern zu sehen, ist jedoch ein ziemlicher Kontrast. Deshalb haben wir uns nach der Reise etwas Zeit genommen, um erstmal das Gesehene zu ordnen und selbst etwas über deutsche Fleischqualität zu recherchieren. Dabei sind wir auf einen Punkt gestoßen, der uns etwas stutzig gemacht hat: Regionalität.

Fleisch Steak Chateau Boeuf

Hat Regionalität noch was mit Ursprung zu tun?

Wie beim Obst und Gemüse ist es auch bei Fleisch wichtig, auf regionale Produkte zurück zu greifen. Und aufgrund des Regionalitäts-Trends werden mittlerweile in vielen Fleischtheken im Supermarkt Teilstücke von Jungbullen aus Deutschland angeboten. An sich vermittelt das ein gutes Bauchgefühl, dennoch stammen die Rinderrassen oft aus dem Ausland. Auch französische Rassen, wie Charolais oder Limousin sind schon seit Jahrzehnten in deutschen Zuchtbetrieben keine Seltenheit. Vor allem die französischen Rassen eignen sich für die Massenproduktion, da sie in relativ kurzer Zeit viel Fleisch ansetzen. Das Fleisch besitzt weniger Fett und lässt sich deshalb auf dem deutschen Markt gut verkaufen. Nach unseren Recherchen ist es wohl auch Gang und gebe, ausländische Rinderrassen zu kreuzen, um den Fleischgeschmack zu „verbessern“. Mit Ursprünglichkeit hat das also wenig zu tun. Geschmacklich gesehen, erscheint es uns auch nicht clean. Denn ob Rinderrassen in ihrem Ursprungsland aufwachsen oder nicht, ist ein großer Unterschied. Ein anderes Klima und anderes Futter sorgen für eine andere Aufzucht und letzten Endes auch für eine andere Fleischqualität.

Wo sind die Schattenseiten der Fleischindustrie? Unser Fazit

Wir könnten noch seitenweise weiter fachsimpeln, aber es wird Zeit über Chateau Boeuf ein Fazit zu ziehen. Kaum ein Fleisch-Vertrieb würde neugierige Blogger einladen, wenn schmutzige Umstände herrschen würden. Es wäre wahrscheinlich interessanter bei einer unabhängigen Kontrolle mit dabei zu sein. Wie dem auch sei, wir konnten keinerlei Mängel bei der Tierhaltung und in der Produktion sehen. Probiert haben wir auch. Am letzten Tag wurde üppig gegrillt und besonders die Dry Aged Steaks haben wirklich hervorragend geschmeckt. Deutsche Gründlichkeit kombiniert mit französischem Saveur. Tja die Franzosen sind uns Deutschen geschmacklich doch ein wenig im Voraus. Dennoch finden wir, das Chateau Boeuf nicht ganz perfekt ist. Beim Markenauftritt hätten wir uns etwas mehr Bedeutung gewünscht. Das Logo ist rein symbolisch und soll High-End Charakter vermitteln. Rinderrassen wir Limousin oder Charolais besitzen eine gute Fleischqualität und sind eher für den Massenkonsum geeignet. Am höheren Ende würden wir Chateau Boeuf jedoch nicht einordnen. Denn es gibt Rinderrassen die geschmacklich noch feiner sind, wie zum Beispiel japanisches Wagyu oder schottisches Angus.

Frankreich Markenfleisch Chateau Boeuf

Zwar war die Reise nach Le Mans kurz, aber der Respekt hat sich gefestigt, vor den Tieren und der gesamten Arbeitskette, die hinter einem Stück Steak steckt. Es war schön zu sehen, dass es auch ohne Massentierhaltung geht und es einem Unternehmen auch wichtig ist, das Tiere dort aufwachsen, wo sie herkommen.

Merci Chateau Boeuf!

Hier gibt es mehr Informationen zur Marke

2 Comments

  • Antworten Juni 26, 2016

    Klaus B.Schmid

    Sehr geehrtes Team von Easytasting
    Für so ein Fleisch muß man nicht auf Französische Produkte zurückgreifen.
    Da gibt es inzwischen ebenso gute Qualität in Deutschland z B. Boeuf de Hohenlohe Staufer fleisch.

    • Antworten September 18, 2016

      Christin & Nils

      Hallo lieber Klaus,
      Merci für deinen Tipp, wir werden mal nach Boef de Hohenlohe Staufer Fleisch recherchieren. Liebe Grüße Christin & Nils

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